Interview mit Matze Behrend (Vereinsvorsitzender TSV97)

RCBerlin: Hallo Matze, als einer, der schon in den 90er Jahren die Berliner RC-Szene verfolgt hat, kannst Du uns bestimmt jede Menge aus den Anfangszeiten der Berliner Rc-Rennszene erzählen. Aber bevor wir zu diesem Thema kommen, erzähl uns doch mal, wie Du selbst zu diesem Hobby gekommen bist und ab wann Du den Posten des Vereinsvorsitzenden des MSV06 (jetzt TSV) übernommen hast?

Matze: Hi, mein Name ist Matthias Behrend. Das Rc-Hobby betreibe ich seit 1994. Angefangen hat es bei einem Besuch der ersten Hobbyland Messe in Berlin 1993 und nur aus Spaß habe ich da beim Vorgänger-Verein des MSV06, dem ZRT (Zippis Racing Team), die auch ein Geschäft besaßen, mir ein Komplettbaukasten von Tamiya mit FWD+Ladegerät+Funke+Akku für damals 400DM gekauft und Anfang Januar bin ich mein erstes Eisrennen auf der Strecke in der Mühlenstr. in Lankwitz mitgefahren. Dann kamen die ersten Rennen in den Sommermonaten bis ich 1997 die erste Tamiya DM (Deutsche Meisterschaft) mitgefahren bin. Ab da ging es dann richtig ab mit Rennen in Deutschland, bis sich der Verein ZRT im Jahr 1999 aufgelöste und mit 170 Mitgliedern in den MSV 06 umgewandelt hat. Ein Jahr später ging es dann leider mit der Abteilung bergab - viele Auseinandersetzungen, Austritte und Neugründungen von anderen Vereinen wie dem EOT-Berlin, der dann zum RCCT wurde, den Fast Boys Berlin, usw. Dann kam der 28.5.2000 und die Abteilung stand kurz vor dem Ende. Da habe ich mir ein Herz genommen und gesagt: OK...das Hobby muss am Leben bleiben und Boom(!): Seit dem führe ich nun die Abteilung des MSV06 in Marienfelde – inzwischen im 15ten Jahr.

RCBerlin: Welches Rennen war das erste Rennen, an dem Du teilgenommen hast?

Matze: Das Eisrennen mit Truck Karosse und Rallyblock Reifen im Dezember 1994 (Eisrennen wurden damals auf plattgedrückten Schnee gefahren). Die ersten richtigen Rennen waren dann die Outfit-Cups vom ZRT (Zippis Racing Team) im Jahr 1995, die mit demselben Material gefahren wurden wie bei den Eisrennen im Winter.

RCBerlin: Inwieweit unterscheiden sich die Modelle von damals zu heute?

Matze: Als ich angefangen habe gab es 2 Firmen die sich ein Kopf-an-Kopf-Rennen geliefert haben: Das waren schon damals die beiden Firmen Tamiya mit dem TA-01 Kardan und Yokomo YR4 mit Riemen antrieb. Die Autos wurden damals noch mit NiCd 1500mAH (Nickel Cadmium) Akkus gefahren. An den Autos gab es nicht viele Einstellmöglichkeiten: 2 Positionen an den Dämpfern, Sturz und Spur. Das war es schon. Die Autos bestanden zu ca. 80% aus Kunststoff nicht wie heute aus Kohlefaser. Gefahren sind wir damals noch mit Brushed Motoren und sie besaßen Motorkohlen die alle 2 Läufe geschliffen werden mussten + Kollektor, der auch alle 2 Läufe gereinigt werden musste. Da zählte noch das Fahrerische Können und nicht so wie heute die Technik. Muss aber auch zugeben wir haben damals auch schon viel an der Technik rumgespielt (keine weiteren Infos dazu ;-).

RCBerlin: Was war für Dich die beste Veranstaltung, die Du je in Berlin erlebt hast?

Matze: Da gab es viel: Z. B. die Tamiya Winter DM 1998 in der Schöneberger Sporthalle, der Großer Preis von Berlin in Wuhlheide 1995 - 1999, die 1:12 DM 2013 in Marienfelde, die EOS 2014 und 2015 in Berlin, die DMC Tourenwagen DM 2015 und die vielen kleinen Rennen bei uns auf dem Gelände.

RCBerlin: Berlin hat im Moment viele verschiedene Vereine. Wie ist der Umgang untereinander?

Matze: Das Klima zwischen den Vereinen zu früher um die Jahrtausendwende hat sich aus meiner Sicht sehr verbessert. Das einzige was ich immer wieder anprangern muss, ist die Absprache mit Rennterminen. Ich bin es gewohnt meine Termine für die nächste Saison zum September unter Dach und Fach zu haben. Was leider seit 2 Jahren nicht mehr so gut klappt und was mir tierisch an die Hutschnur geht ist wenn man feste Hallentermine hat,

was in Berlin schwer zu bekommen ist, diese dann rechtzeitig veröffentlicht und dann trotzdem andere Vereine diese Termine dann auch für Veranstaltungen nutzen.

RCBerlin: Nun gut, mit Hilfe des Rennterminkalenders hier auf der Webseite wollen wir solchen Terminüberschneidungen entgegenwirken. Wenn alle Verantwortlichen regelmäßig in den Kalender schauen, sollte dies in Zukunft nicht mehr so häufig passieren. Was für ein Modell und welche Elektronik fährst Du aktuell selber und warum?

Matze: Zur zeit fahre ich ein Tamiya TT01 im Tamiya Cup Gentlemen und im TW Bereich

einen Tamiya TRF 417x . Elektronik fahre ich im TW alles von Muchmore, weil

ich mit den Material sehr zufrieden bin und auf die Empfehlung von Toni und Marc

Rheinard, die ich beide seit fast 20 Jahren kenne, höre. Im Tamiya Cup fahre ich nur das von Tamiya zugelassene Material.

RCBerlin: Was würdest Du einem Anfänger, der dieses Hobby gerade für sich entdeckt hat, raten? Wie wird man schnell zu einem guten Fahrer?

Matze: Aus meiner Erfahrung her würde ich mit einen Plastikchassis anfangen: z. B.

Tamiya TT 01 oder TT 02, man kann an so ein Fahrzeug nicht allzu viel kaputt machen,

weil er aus 100 % aus Kunststoff ist und kein teures Kohlefaser und die Eltern da

eher einem Kauf (130€) zustimmen, anstatt ein Kohlefaser Chassis für 400€ - 500€. Auch zu den anderen Sachen, die man dann noch braucht, reicht es aus sich zuerst etwas Günstiges zu kaufen, wie z. B. eine Fernsteuerung für 100€, Ladegerät für 50€, Akkus für 40€. Die Gesamtausgaben für einen Anfänger sollten unter 500€ bleiben. Wenn man das dann alles hat; in Ruhe zusammenbauen und die ersten Fahrversuche auf einen Parkplatz machen, um sich an das Auto zu gewöhnen. Danach dann einen Verein in der Nähe suchen und sich nach den Trainingszeiten erkundigen. Wenn die Person das auch erledigt hat , heisst es erst mal für ihn: Training, training, training. Am besten mit den Mitgliedern des Vereins, die können einem Anfänger die besten Tipps geben. Wenn es dann einigermaßen klappt mit dem Fahren, dann sollte die Person sich an die ersten richtigen Rennen rantrauen und immer wieder Tipps einholen von Mitgliedern oder anderen guten Fahrern was auch noch wichtig ist, dass die Person auch andere Strecken kennenlernt. Immer nur die Hausstrecke zu befahren ist auch nicht gut.

Und zu guter letzt: Nicht aufgeben - die ersten Siege kommen irgendwann schon.

RCBerlin: Was wünscht Du Dir für die Zukunft des MSV06? Was ist alles für die nächste Saison geplant?

Matze: Meine Wünsche: mehr Mitglieder für den MSV06, volle Rennen und wieder eine

große Veranstaltung nach Berlin holen.

Saison 2016: 2x TOS (Tonisport Onroad Series) , 1x Tamiya Cup , 2x BTM (Berlin Touring Masters) und 1x SM-Lauf.

Weitere Infos wird es auf unserer Seite geben www.msv06-rccar.de und Facebook MSV 06 Berlin RC-Car-Racing

Danke! Gruß Matze

RCBerlin: Vielen Dank für das Interview und eine erfolgreiche anstehende Saison.